Pirateske Dialektik

…De Toledo wirft den Intellektuellen von Heute einen ‚VERRAT DES FLEISCHES‘ vor, der mit der Ästhetisierung nicht nur des Politischen, sondern alles Wirklichen einher geht. Dagegen hält er fest am Fleisch und an der ‚Transgression‘, am asketischen Gesicht und am Schrei von Artaud, am verfemten und organlosen Körper bei Bacon, Genet, Bataille. De Toledo sucht nach einem Ausweg abseits von ZYNISCHER WURSTIGKEIT und reaktionärer Nostalgie und (wieder)entdeckt dafür die ‚ROMANTIK DER OFFENEN AUGEN‘ im ‚provisorischen Außerhalb‘ Temporärer Autonomer Zonen (Hakim Bey), im ‚NOMADENTUM DES WIDERSTANDS‘ einer ‚semantischen Guerilla‘ und in einer ‚Ontologie des Nutzlosen‘. Gegen die Gleichung Romantik = Blut & Boden = der reaktionäre Bodensatz der Naziphantasmen setzt de Toledo auf die Formel „ROMANTIK+REALISMUS, AUSSERHALB + PROVISORIUM“, auf die ‚pirateske Dialektik‘ von ‚Realitätssinn + ‚MÖGLICHKEITSSINN‘ (Musil) und unterstreicht Letzteres, wenn er konstatiert: „Der Kern der Revolte ist die Vergänglichkeit ihres Endes.“ Wem das zu sehr ge-Nietzschelt und ge-Jüngert vorkommt, dessen ‚Magischer Realismus‘ und‚stereoskopischer Blick‘ hier ebenso wiederkehren wie das Motto „Je nutzloser, desto sinnvoller“, der kann sich das Gleiche auch ganz unexaltiert und moderat sagen lassen von Robert Misik in seinem Genial Dagegen (Aufbau-Verlag). Es sei denn, man markiert lieber, indem man Misik und de Toledo mit dem gleichen Achselzucken erledigt, die Demarkationslinie zwischen den ‚Nützlichen‘ und den ‚Überflüssigen‘… (Bad Alchemy, #50)