Inzest²: Veränderung ohne Input

final-beauty“Immer wenn über die globalen Medien oder den Underground lautstark ein neuer Stil ausgerufen wird, erwacht meine skeptische Natur.  Es handelt sich, wie befürchet,  um das 5. Revival einer schon damals zum Scheitern verurteilten Bewegung und der damit hergehenden Deterritorialisierungskampagne.  Zu meist sind diese Bewegungen jedoch keine Bewegungen. Sie haben keinen “point of departure”, keinen Ursprung und keine Richtung.  Seit Beginn des 20. Jhdts scheint ein niemals zur Ruhe und Besinnung gekommener fragmentierter Seitenast der minimalistischen und puristischen Moderne, zu glauben, Aesthetik mit dem “ewig Neuen” gleichsetzen zu müssen. Da es aber nichts Neues ohne etwas Hervorgegangenes geben kann (vgl. Hegel’s  “Anfangsdilemma”), schwimmt dieser “Club der toten Seelen” auf einer Welle ohne Auslöser. Das “Konzept des  Revivals” kann dabei als temporärer Rettungsring gesehen werden, der das Verlorensein mithilfe eines  Mitleids, welches retroaktiv von historischen Deterritorialisierungsgenossen wie den Punklegenden erhofft wird.  Diese Strömung setzt sich insofern die Krone auf, als daß sie ihr Handeln auf  der abstrakten Kunst aufbaut und durch jene legitimiert. Abstraktion hat aber keinesfalls etwas mit Bewußtseins- und Identitätsbrüchen wie  Filmriß und Schizophrenie  zu tun. Abstraktion ist das empirische  Aufdecken von  Patterns und Strukturen in existierenden Gegebenheiten.  Ich sage ja zur Amnesie, aber nur wenn das Vergessen des wahnhaften Strebens nach dem zwanghaften “Anders sein wollen”  zu ihrer Hauptaufgabe zählt. Ich sage ja zur Revolution, wenn sie nicht naiv ist und auf soziokulturellen Fundamenten aufbaut. […] Mode und Graphikdesign sind vielleicht nicht die adequaten Disziplinen, um tiefgreifende Veränderungen auszulösen. Es ist immer gefährlich, wenn Media sich verselbständigen und zu Disziplinen etabliert werden. In einer inzestiösen Suppe ohne Realität und Reflektion ist das Delirium vorprogrammiert. Das Revival ist  vielleicht das falsche Medikament in der falschen Dosis.” (G.A. Dure, “Revival: Ignoring The Immediate Past”, 2009)

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